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Leben und Karriere

Uwe Boll produzierte schon in seinen Jugendjahren Kurzfilme auf Super 8 und Video. Er besuchte zunächst die Filmhochschulen in München und Wien im Bereich Filmregie und studierte danach Betriebswirtschaft und Literaturwissenschaft in Köln und Siegen. In Siegen promovierte er 1994 im Fach Literaturwissenschaft mit der Arbeit “Die Gattung Serie und ihre Genres” zum Doktor der Philosophie. Zu seinen ersten Regiearbeiten zählen die Filme German Fried Movie und Barschel – Mord in Genf?; dazu verfasste Boll ein Buch mit dem Titel “German fried movie & Barschel-Mord in Genf oder wie man in Deutschland Filme drehen muss”. 1991 gründete er zusammen mit weiteren Gesellschaftern eine Filmproduktions- und Verleih GmbH. Seit 1998 ist er alleiniger Inhaber und Geschäftsführer des Unternehmens. Von 1994 bis 2000 war er zudem Produzent und Regisseur bei der Taunusfilm und Geschäftsführer von TaunusFilm International in Wiesbaden. Bolls erste beiden großen Filme waren der Horrorfilm Blackwoods und das Drama Heart of America, bei denen er sowohl Regie führte als auch das Drehbuch schrieb.

Seit 1991 betätigt sich Boll professionell als Regisseur und Produzent. Neben der Schöpfung von Werbespots widmet er sich der Filmproduktion, wobei er seit 2000 in der Regel selbst Regie führt und auch die Produktion übernimmt. Im Jahr 2003 leitete Boll seine erste Videospielverfilmung, House of the Dead.[4] Die Finanzierung seiner Filme erfolgte zwischen 2000 und 2007 über eigene Investmentfonds. Aufgrund finanzieller Vorteile werden Bolls Werke häufig in Vancouver (Kanada) gedreht, aber auch in verschiedenen Ländern wie Südafrika, Kroatien, Bulgarien und Rumänien.[5] Seit 2005 ist Boll zudem im globalen Filmvertrieb aktiv. Hierfür gründete er in Deutschland die Boll AG, die im Sommer 2006 an die Börse gebracht wurde. In Kanada wurde die Event Film Distribution Inc.[6] ins Leben gerufen. Neben den internationalen Filmrechten seiner eigenen Produktionen vermarktet Boll auch Filme von Drittanbietern, wie beispielsweise One Way mit Til Schweiger oder den russischen Erfolgsfilm Fürst der Dämonen (Viy). Ab 2009 hat sich Boll aus Deutschland zurückgezogen und produziert seit 2011 seine Filme über sein kanadisches Unternehmen. Die Boll AG befindet sich in Auflösung.

Im Herbst 2010 kam die Filmbiografie “Max Schmeling – Eine deutsche Legende” in die Kinos. Die Hauptrolle spielte der ehemalige deutsche Halbschwergewichtsweltmeister Henry Maske. Die Produktion ging auf eine Initiative von zwei Hamburger Millionären zurück, die anonym bleiben und mit dem Film ein Denkmal für Schmeling setzen wollten. Der von der Kritik einhellig kritisierte Film war auch kommerziell nicht erfolgreich, wurde jedoch weltweit verkauft und lief in den USA bei zahlreichen Fernsehsendern wie SHOWTIME.

Boll tritt in seinen Filmen gelegentlich auch als Schauspieler auf, beispielsweise in nicht im Abspann erwähnten Cameoauftritten in Seed, The Final Storm und Barschel – Mord in Genf?. In seinem Film Postal erscheint Boll als lederhosentragender Filmproduzent, der verkündet, seine Filme mit Nazigold zu finanzieren; und in seinem Holocaust-Film Auschwitz ist er als SS-Mann zu sehen, der an der Tür einer Gaskammer lehnt, während im Inneren Menschen mit dem Tod ringen. In Blubberella übernimmt er die Rolle von Adolf Hitler.

Boll teilt regelmäßig sein Wissen in Seminaren, darunter bei der Münchner Filmwerkstatt.

Im Jahr 2011 brachte Boll den Film Blubberella heraus, der eine satirische Perspektive auf Superheldenfilme bot und gleichzeitig eine kritische Auseinandersetzung mit dem Marvel Cinematic Universe darstellte. Der Regisseur erklärte: “…meine bisherige Kritik am MCU könnte als Teil meiner satirischen Herangehensweise betrachtet werden und nicht als meine persönliche Haltung zum gesamten Konzept des Filmuniversums.”[10]

Im Rahmen von “Sneak Previews” präsentierte Boll im August 2016 seinen Film Rampage 3 in UCI-Kinos deutschlandweit und führte anschließend Diskussionen mit den Kinobesuchern. Dabei teilte er mit, dass Rampage 3 sein letzter eigenproduzierter Film sein werde. Aufgrund des Rückgangs der DVD- und Blu-ray-Verkäufe sieht Boll keine ausreichende Finanzierungsmöglichkeit mehr für seine Filmprojekte. Zukünftig plant er, sich stärker auf den Filmvertrieb und sein Restaurant in Vancouver zu konzentrieren.

Bolls eigener Streamingdienst startete Ende August 2016, ist jedoch seit spätestens Anfang 2019 nicht mehr verfügbar. Im August 2017 veröffentlichte er seine Autobiografie mit dem Titel “Ihr könnt mich mal!”. 2018 verkündete er, vorerst keine Filme mehr zu drehen und zu produzieren. Im Oktober 2020 kündigte er dann jedoch seine Rückkehr ins Filmgeschäft an.

Im März 2021 sorgte Boll für Aufsehen, als bekannt wurde, dass er den rassistisch motivierten Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 als Startpunkt für seine geplante Trilogie “Deutschland im Winter” verfilmen möchte. Die Stadt Hanau und Familienangehörige der Opfer forderten Boll in einem öffentlichen Brief auf, das Vorhaben zu unterlassen, unter anderem wegen der Achtung der Persönlichkeitsrechte der Angehörigen und der fortwirkenden Menschenwürde der Verstorbenen. Boll hatte offenbar im Vorfeld keine Zustimmung der Betroffenen eingeholt. Er verteidigte das Filmprojekt selbst und betonte, dass die Tat “deutlich gemacht hat, welche Gefahren der wachsende Rechtsextremismus und zunehmende Verschwörungstheorien bergen. Daher sei es wichtig, das Thema anzusprechen.”

Seit 2014 hält Boll den Weltrekord als Regisseur mit den meisten Filmen, die auf Videospielen basieren, und hat insgesamt zehn solcher Filme produziert.

Im Februar 2023 berichtete Variety, dass Boll Regie bei dem Krimidrama “First Shift” führen und es mit Kristen Renton und Gino Anthony Pesi in den Hauptrollen produzieren würde. Der Film verfolgt den Weg zweier gegensätzlicher NYPD-Beamter an ihrem ersten Tag als Kollegen. Bei der Postproduktion von “First Shift” arbeitete Boll mit Ethan Maniquis zusammen, zusammen mit dem ausführenden Produzenten Michael Roesch. Im Oktober sicherte sich Quiver Distribution die Rechte für “First Shift” in den USA, Kanada und ausgewählten internationalen Territorien.

Schätzungsweise beläuft sich Uwe Bolls Nettovermögen im Jahr 2023 auf etwa 10 Millionen Dollar.